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Die Zirbe: ein Baum, der sich Zeit lässt

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Die Zirbe: ein Baum, der sich Zeit lässt

Die Zirbe, botanisch Pinus cembra, wächst dort, wo für die meisten Bäume Schluss ist: zwischen etwa 1.500 und 2.500 Metern, an der oberen Waldgrenze der Alpen und der Karpaten. In den Dolomiten steht sie oft allein am Hang, windgeformt und krumm, und trotzt Temperaturen bis unter minus 40 Grad.

Der Vogel, der den Wald pflanzt

Zirbenzapfen öffnen sich nicht von selbst. Ihre Samen — die Zirbennüsse — sind schwer und würden direkt unter dem Baum liegenbleiben. Die Verbreitung übernimmt fast ausschließlich der Tannenhäher. Er sammelt im Herbst Tausende Samen und versteckt sie als Wintervorrat im Boden, verteilt über einen großen Umkreis. Was er nicht wiederfindet, keimt. Ohne diesen Vogel gäbe es kaum Zirbenwälder — eine der engsten Partnerschaften zwischen Tier und Baum in Europa.

Warum das Holz so langsam entsteht

In dieser Höhe ist die Vegetationszeit kurz. Eine Zirbe legt entsprechend schmale Jahresringe an; für einen Zentimeter Durchmesser braucht sie oft ein Jahrzehnt. Bis ein Stamm stark genug für eine Schale ist, vergehen leicht zweihundert Jahre. Einzelne Bäume werden über tausend Jahre alt.

Genau dieses langsame Wachstum macht das Holz aus: Es ist leicht, weich genug zum Schnitzen und Drechseln, formstabil — und reich an ätherischen Ölen, allen voran Pinosylvin. Deshalb duftet es noch nach Jahrzehnten und wird von Insekten und Pilzen weitgehend gemieden.

Woher unser Holz kommt

Wir arbeiten in St. Ulrich in Gröden, mitten in den Dolomiten. Unser Holz stammt aus dem Umkreis, aus regulärer Waldnutzung — überwiegend aus Durchforstung und aus Windwurf. In Südtirol ist die Forstwirtschaft streng geregelt; geerntet wird deutlich weniger, als nachwächst, und ein Kahlschlag ist im Schutzwald ohnehin nicht zulässig.

Nach dem Sturm Vaia im Oktober 2018 lag in den Dolomiten sehr viel Holz am Boden. Es aufzuarbeiten war kein Geschäft, sondern Notwendigkeit — liegengebliebenes Nadelholz ist die Kinderstube des Borkenkäfers. Ein Teil des Holzes, das in den Jahren danach durch die Werkstätten ging, kam aus diesen Flächen.

Vom Stamm zur Schale

Frisch geschlagenes Zirbenholz enthält viel Wasser und kann nicht sofort verarbeitet werden. Es wird geschnitten, gestapelt und getrocknet — an der Luft ein Jahr je Zentimeter Dicke, im Ofen deutlich schneller, aber mit mehr Spannung im Holz. Erst danach kommt es auf die Drechselbank. Eine Schale, die Sie heute in der Hand halten, hat also mindestens ein bis zwei Jahre Vorlauf hinter sich — nach zwei Jahrhunderten am Berg.

Was das für den Preis bedeutet

Ein Baum, der zweihundert Jahre braucht, ist kein Rohstoff, den man beliebig vermehren kann. Wenn Zirbenware auffallend billig ist, wurde entweder am Holz oder an der Arbeit gespart. Meistens an beidem.

Geschrieben in der Zirbendrechslerei Pinalis in St. Ulrich, Gröden.

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